Business meets Cockpit

Impulse aus der Luftfahrt für den Unternehmensalltag

Klare Kommunikation, verlässliche Routinen und eine offene Fehlerkultur standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Business meets Cockpit“ der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe.
Am 14. Juli 2026 zeigten Experten aus der Luftfahrt und der Wirtschaft in der IHK Karlsruhe, welche Erfolgsfaktoren Unternehmen aus der Fliegerei übernehmen können. Ein besonderer Dank gilt der IHK Karlsruhe, die ihre Räumlichkeiten für die Veranstaltung zur Verfügung stellte.

Nach der Begrüßung durch Kreissprecherin Nadja Krug und Laura Keller, Leiterin des Arbeitskreises Technologie und Umwelt, führte Moderator Oliver Kuppler durch den Nachmittag. 

Den Auftakt machte Harald Siegmann, Projektleiter bei Hensoldt und ehemaliger Marinepilot. Er zeigte, wie eng Mensch und Technik heute zusammenarbeiten. Moderne Systeme unterstützen zwar bei der Verarbeitung von Informationen und bei Entscheidungen, die Verantwortung bleibt jedoch immer beim Menschen. Entscheidend sei deshalb ein bewusster und reflektierter Umgang mit technischen Hilfsmitteln sowie die Fähigkeit, deren Möglichkeiten und Grenzen richtig einzuschätzen.

Anschließend schlug Fluglehrer, Coach und Berater Adrian Bittner die Brücke zwischen Cockpit und Unternehmensalltag. Unter dem Titel „Was wir im Business aus der Fliegerei lernen können“ machte er deutlich, dass Sicherheit lange vor dem Start beginnt. Mit den Worten „Wenn man den Aufprall kommen sieht, ist es in der Regel zu spät zum Gegensteuern“ verdeutlichte er die Bedeutung einer vorausschauenden Arbeitsweise.

Drei Prinzipien stellte Bittner dabei in den Mittelpunkt: gute Vorbereitung, eine konsequente Fehlerkultur und die gezielte Nutzung der Stärken im Team. Checklisten und eingeübte Routinen helfen dabei, Fehler zu vermeiden und mentale Kapazitäten für unerwartete Situationen freizuhalten. Ebenso wichtig sei eine Kultur, in der Fehler offen angesprochen und systematisch ausgewertet werden. In sogenannten Debriefings werden formale Abläufe, besondere Ereignisse und die wichtigsten Erkenntnisse gemeinsam reflektiert. Ziel ist es, aus Erfahrungen zu lernen und die Zusammenarbeit kontinuierlich zu verbessern.

In der Podiumsdiskussion mit Harald Siegmann, Adrian Bittner, Ralf Krepper (Abteilungsdirektor bei den BGV, Major der Reserve in der Luftwaffe, aktiver Pilot und 2. Vorsitzender des Flugsportvereins Karlsruhe) und Knut Kraft (Fluglotse der Deutschen Flugsicherung (DFS) im Area Control Center Karlsruhe und langjähriger Pilot) standen Führung, Verantwortung und Zusammenarbeit unter Druck im Mittelpunkt. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass gute Entscheidungen selten von Einzelpersonen abhängen. Vielmehr entstehen sie durch klare Rollen, eindeutige Kommunikation und den offenen Austausch im Team. Gerade in stressigen Situationen müsse jeder die Möglichkeit haben, Rückfragen zu stellen oder auf Risiken hinzuweisen.

Ein weiteres Thema war das Crew Resource Management, das in der Luftfahrt seit vielen Jahren fester Bestandteil der Sicherheitskultur ist. Klare Zuständigkeiten, gegenseitige Kontrolle und konstruktiver Widerspruch helfen dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren. Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass viele Fehler auch in Unternehmen nicht auf fehlendes Fachwissen, sondern auf Missverständnisse, unklare Kommunikation oder starre Hierarchien zurückzuführen sind.

Bereits vor der Veranstaltung konnten Teilnehmer bei Rundflügen auf dem Segelfluggelände Rheinstetten, in Zusammenarbeit mit dem FSV Karlsruhe, Cockpitluft schnuppern und die Abläufe rund um Flugvorbereitung, Kommunikation und Aufgabenverteilung aus nächster Nähe erleben. Die Veranstaltung bildete zugleich den Abschluss einer Luftfahrt-Reihe der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe, zu der zuvor unter anderem Besuche bei der DRF Luftrettung und am Baden-Airpark gehörten.

Das Fazit des Abends fiel eindeutig aus: Unternehmen können von der konsequenten Sicherheitskultur der Luftfahrt profitieren. Klare Kommunikation, strukturierte Prozesse, Vertrauen im Team und eine gelebte Fehlerkultur schaffen die Voraussetzungen dafür, auch unter anspruchsvollen Bedingungen sichere und fundierte Entscheidungen zu treffen.