Unternehmensnachfolge
– das Thema beim Branchenabend 2026

Wer übernimmt?

Wer übernimmt? Nachfolge neu denken: Mut, Verantwortung und Perspektiven im Mittelstand – so lautete das Thema beim Branchenabend 2026 in der Sparkasse Karlsruhe, dem Jahresauftakt der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe. Der Austausch zeigte eindrücklich, wie sehr Unternehmensnachfolge heute mehr ist als ein strategischer Prozess.

Grußworte der IHK und unseres Gastgebers

Die Begrüßungen durch Tugce Zipperer (Leiterin AK Wirtschaft & Gesellschaft) und Nadja Krug (aktuelle Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe) sowie die Rede von Marc Sesemann als Gastgeber und Vorstand der Sparkasse Karlsruhe – seit 45 Jahren ein verlässlicher Partner – wiesen darauf hin, dass das Thema Nachfolge kein neues ist, sich aber weiter verschärft hat.

Ein starkes Signal setzte der Präsident der IHK Karlsruhe, Volker Hasbargen, mit seinem Grußwort: Netzwerke schaffen Orientierung, Vertrauen und Raum für lösungsorientierten Austausch – gerade bei Herausforderungen wie Nachfolge, Übergabe und Führung im Wandel.

Studien zeigen – eine frühzeitige Nachfolgeplanung ist wichtiger denn je

Laut Studien standen in Deutschland bis Ende 2025 rund 215.000 Unternehmen vor der Nachfolgefrage – mit einem durchschnittlichen Alter der ausscheidenden Geschäftsführer von über 65 Jahren. Nur 28 % davon haben Nachfolge erfolgreich abgeschlossen. Der Anteil von Betrieben ohne klare Nachfolgelösung wächst, was die Dringlichkeit einer frühzeitigen und aktiven Nachfolgeplanung unterstreicht.

Trotz aller Herausforderungen bleibt die familieninterne Nachfolge das bevorzugte Übergabemodell. Allerdings deutet der wachsende Anteil externer Verkaufsoptionen auf einen schleichenden Wandel hin. Es ist wichtig, mehr in die Sicherung des Zusammenhalts zu investieren – Scheitern passiert dann, wenn die Brücke der Generationen nicht mehr trägt.

Aktuell übergibt die letzte Generation von klassischen Entscheidern. Oft erfolgte die Gründung von Familie und Unternehmen zeitgleich, es besteht der Wunsch nach Stabilität – man möchte Nachfolger schützen. Die neue Generation denkt aber anders: Sie möchte nicht geschützt werden, sie möchte eine wirkliche Nachfolge sein, kein hochqualifiziertes Backup. Der Schlüssel: Vertrauen schenken!

Vertrauen schenken – Kern der Keynote und Podiumsgespräch

Dr. Bettina Daser führte in ihrer Keynote die emotionale Seite der Nachfolge vor Augen. In ihrem Buch „Die stille Seite der Nachfolge“ hebt sie hervor, wie oft die psychologischen Aspekte unterschätzt werden – Loslassen, Rollenwechsel und Identität spielen eine große Rolle.

Spannende Einblicke aus der Praxis lieferten unsere Podiumsgäste:
• Dr. Bettina Daser, Dr. Daser Beratung
• Moritz Schäfer, Geschäftsführer BechTec GmbH & Asclepios GmbH
• Raphael Peteroff, Geschäftsführer Fritz Automation GmbH
• Solin Ahmad, COO, Koh Young Europe GmbH

Ihre Erfahrungen machten deutlich: Vertrauen schenken, loslassen können, Verantwortung übernehmen und Mut beweisen sind entscheidend, damit Übergaben gelingen. Wirtschaftliche und menschliche Faktoren müssen zusammenspielen, damit aus Übergabe ein erfolgreicher Generationenwechsel wird.

Die Perspektiven der Diskutierenden reichten von familieninterner Übergabe über Mitarbeiterbeteiligung bis zu externen Nachfolgelösungen. Drei unterschiedliche Wege zeigten:
• Ein Mitarbeiter, der vor über 16 Jahren als Azubi im Unternehmen begann und heute Geschäftsführer ist
• Eine Familiennachfolge, gekoppelt mit dem strategischen Kauf eines weiteren Unternehmens
• Externe Übernahme mit frischen Impulsen einer jungen Führungskraft direkt aus dem Studium

Die Diskussion zeigte, dass sich auch die klassischen Vorstellungen von Kompetenz und Betriebszugehörigkeiten ändern müssen: Jung, mit kürzerer Betriebszugehörigkeit, kann genauso kompetent führen. Vertrauen, Lernfähigkeit und Raum für Fehler sind entscheidend – ebenso wie ein klarer Übergabeplan.

Persönliche Worte der Teilnehmenden:
• Moritz Schäfer rät seinem früheren Ich: „Durchhalten, es wird besser.“
• Solin Ahmad betonte Gelassenheit: „Alles fügt sich, vertraue darauf, dass es kommt, wie es kommen soll.“
• Raphael Peteroff hob hervor, wie wertvoll ein Netzwerk und Ehrenamt für den Übernahmeprozess sind.

Der Abend in der Sparkasse Karlsruhe war geprägt von vielen ehrlichen Geschichten, klaren Perspektiven und wertvollen Impulsen für alle, die sich mit Nachfolge, Führung und Zukunftsgestaltung beschäftigen. Der Dank gilt allen Gästen, Partnern und Teilnehmenden, die diesen Jahresauftakt zu einem besonderen Ereignis gemacht haben.