Schuhe nach Maß und einen Einblick in das traditionelle Handwerk des Schuhmachers gab es für die Wirtschaftsjunioren Karlsruhe bei der ersten Betriebsbesichtigung 2013. Stichwort Tradition: Das sind für die WJ die Besuche bei interessanten Firmen in der Region schon längst geworden. Ende Januar ging es in die Schuhmanufaktur Vickermann & Stoya nach Baden-Baden, und diese Veranstaltung war mit 30 Teilnehmern schnell „ausgebucht“. Interessant dabei: Mehr Männer als Frauen ließen sich von handgemachten Luxusschuhen in das historische Gebäude von 1860 locken. Mit „Maßschuhen und feinen Reparaturen“ überzeugt das von Matthias Vickermann und Martin Stoya geführte Unternehmen mit bester Qualität, gelerntem Handwerk und jahrelanger Erfahrung und wurde bereits als eine der 100 schönsten Manufakturen Deutschlands ausgezeichnet.

Davon konnten sich die Teilnehmer intensiv überzeugen: Verkaufsraum, Werkstatt und Lederlager wurden inspiziert, Wissenswertes aus dem Handwerker-Alltag erfahren. Getrennt von Kunden mit kleineren Reparaturaufträgen werden Maßschuhkunden von Hand vermessen, beraten und bei der Leder- und Farbwahl unterstützt. Wie vor 100 Jahren wird bis heute in akribischer Arbeit erfasst, wo im wahrsten Sinne der (Probe-)Schuh drückt, Leisten werden so lange verändert, bis es passt und der eigentliche Schuh entsteht. Über drei Monate kann sich so ein Werdegang hinziehen, dafür ist nahezu alles möglich. Bunte Farbakzente, Exotenleder (natürlich mit Zulassung) vom Krokodil bis zum Elefanten, vom Rochen bis Hai, Strauß oder Pferd – die Luxusschuhmacher kennen jedes Detail und wissen, wie weit sie gehen können. Langlebigkeit ist dabei das Wichtigste, von der Sohle bis zur gepolsterten Lasche soll das individuelle Schuhwerk hundertprozentig passen, lange Freude machen und den Träger begeistern. Dabei starten viele Kunden mit dem klassisch schwarzen Business-Schuh, gönnen sich später oft auch Freizeitschuhe zum Beispiel für den Golfplatz, das Segelboot oder die Jagd.

Vier Mitarbeiter sorgen in der Produktion dafür, dass jeder Stich sitzt, jede Naht fein säuberlich genäht und jedes Paar Schuhe schließlich auch mit dem optimalen Schuhspanner in Form gehalten wird. Etwa 250 Paar Schuhe entstehen pro Jahr, 30 Stunde reine Arbeitszeit stehen pro Paar im Durchschnitt zu Buche – je nachdem, wie außergewöhnlich die Kundenwünsche sind. Auch als Ausbildungsbetrieb ist Vickermann & Stoya gefragt. Drei Jahre dauert es, bis der Schuhmacher oder die Schuhmacherin fertig ausgebildet sind – gelernt wird dort aber vor allem die Reparatur. Das Herstellen hochwertiger Maßschuhe ist „ein Beruf zum Üben“, wie Martin Stoya betont. Das kann Matthias Vickermann nur bestätigen, freut sich aber, dass das Handwerk nicht ausstirbt. Dem Nachwuchs konnten die WJ dann auch über die Schulter blicken und live bei der Arbeit zuschauen. Beim anschließenden gemeinsamen Essen und Trinken wurde in gemütlicher Atmosphäre schnell klar: Hier geht es nicht um Massenproduktion von der Stange, sondern um Maßproduktion von Hand und mit Herz.