Seitdem ich hier im Exotenhaus eingezogen bin, hab ich ja schon so einigen exotischen Vogel kennengelernt, aber am Abend des 05. Oktobers 2016 durfte ich hier ein bizarres Theater erleben. Sie nannten es Kamingespräch. Dabei gibt es doch hier im Exotenhaus des Karlsruher Zoos gar keinen Kamin. Menschen sind ja schon eigenartig, aber diese sogenannten Wirtschaftsjunioren sind noch merkwürdiger als unsere Flughunde, die kürzlich unser tropisches Heim verlassen mussten, weil sie allerlei Flora und Flyer zum Nestbau misshandelt haben.

Während sich normale Menschen üblicherweise mit Handschlag begrüßen, zogen sich diese Wirtschaftsjunioren spaßige Brillen und bunte Kopfbedeckungen auf und sandelten mit Eimern und Schaufeln. Das amüsante Spektakel erzählte die Geschichte, aus der die Junioren ein Kinderbuch geschrieben und illustriert haben. Das Buch haben sie offenbar als Bestechung für den Zoodirektor benutzt, um sich selbst in unser schönes Heim, dem Exotenhaus des Karlsruher Zoos einzuladen. Und sie haben nicht einmal, wie sich das für gewöhnliche Zoobesucher gehört, Eintritt bezahlt – schon ziemlich edel von unserem Zoodirektor Dr. Reinschmidt, dass er da trotz Feierabend so einfach mitspielt.

Uns hat er ja nicht gefragt, deshalb haben wir ihn lautstark wissen lassen, dass wir uns unseren Feierabend nicht nehmen lassen. Nichts desto trotz haben sich diese Homo sapiens einfach weiter unterhalten und sie waren ziemlich neugierig. Sie fragten den Zoodirektor regelrecht aus, über seine Pläne für den Zoo, über seine Vergangenheit im Loro Parque auf Teneriffa oder wie wir an unser tägliches Futter kommen. Und wir haben auch einige Dinge erfahren, von denen wir noch gar nichts wussten: Ich war völlig geschockt, als ich hörte, dass Rosalinda, der berühmte Pipi Langstrumpf Papagei, der dieses Jahr unter großem Medientrubel bei uns eingezogen ist, ein Männchen ist. Oder wusstet ihr, dass der Zoo mit jährlich über eine Million Gästen die meistbesuchteste  Kultureinrichtung Karlsruhes ist?

Und weil die Junioren nach der Fragestunde noch immer nicht genug hatten, so fütterte der Zoodirektor ihren Wissenshunger noch mit einer Führung durch unser trautes Heim und machte sie mit Schildkröten, Alligatoren, Äffchen, Fledermäusen, Amphibien, Faultieren und den vielen farbenfrohen Paradiesvögeln bekannt.

Nachdem sie einen kurzen Blick in unsere Futterküche erhascht haben, wurde wohl ihr Appetit geweckt, denn sie fanden sich zum Schluss noch einmal im Restaurant EXO ein, überließen uns der lang ersehnten Nachtruhe und frönten ihrem Leben als Nachtaktive, wo sie mit dem Zoodirektor einen geselligen Ausklang über köstlichen Häppchen genossen.

Diese Wirtschaftsjunioren sind mir für meinen Geschmack zwar etwas nachtaktiv, doch  zeigten sie wirklich große Begeisterung und Bewunderung für unseren Zoodirektor Reinschmidt. Und das haben wir doch, egal ob früher Vogel oder Nachteule, alle gemein. Wir sind allesamt sehr dankbar, für die vielen schönen Augenblicke, die uns der liebe Zoodirektor an diesem Abend geschenkt hat und jeden Tag aufs Neue beschert.