Es gibt sicherlich wenige Menschen, die das diesjährige Jahresmotto der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe „Leidenschaft. Mit Verantwortung!“ so eindrucksvoll in ein erfülltes Leben verwandelt haben, wie Rüdiger Nehberg.  Im Autohaus Stoppanski, das kurzerhand aus Ihrem Verkaufsraum eine Vortragsplattform bauten, wurde schnell klar, dass der selbstständige Konditor sehr früh von der großen weiten Welt und der Einsamkeit dieser Erde träumte.

Inspiriert durch das Buch „Alleine auf dem reißenden Nil“ von Kuno S. Steuben befuhr er den Blauen Nil insgesamt drei Mal auf einem Floß. Dabei ging er jedes Mal aufs Neue ein großes Risiko ein und wurde unter anderem von feinseligen Einheimischen beschossen. Seine Abenteuerlust wurde davon jedoch nie getrübt. Seit 1981 setzt sich der deutsche Survial-Experte und Aktivist für Menschenrechte für das Indianervolk der Yanomami in Südamerika ein. Spärlich bekleidet durchforstete er eine Woche lang alleine den brasilianischen Urwald und lockte mit den Klängen seiner Mundharmonika die Indianer aus dem Unterholz hervor. Deren Neugierde überwog und sie nahmen Nehberg dorthin mit, wo die Zivilisation noch keinerlei Einfluss hatte. Das sollte sich jedoch bald ändern: Goldsucher zerstörten kurz darauf den Lebensraum der Ureinwohner und Nehberg wurde Augenzeuge des drohenden Völkermordes. Die Aussage von Bertold Brecht „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“ nahm Nehberg wörtlich und seine Abenteuer sollten von nun an einen Sinn erhalten. Um auf die Chancenlosigkeit der Yanomami aufmerksam zu machen, kehrte der Aktivist jährlich wieder und trug durch vielfältige Aktionen dazu bei, dass den Indianern ein geschütztes Reservat zugestanden wurde.

Doch nicht genug. Eindrucksvoll erzählt Nehberg von seinem Kampf an einer zweiten Front bei dem er sich gegen die Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung in muslimisch geprägten Ländern einsetzt. „Den täglich 8.000 jungen Mädchen wird durch die pharaonische Beschneidung, die in der Regel unter den unhygienischsten Bedingungen von Laien durchgeführt wird, die Seele geraubt und die Würde genommen. Ein Drittel der Opfer verstirbt nach der unbetäubten Operation, der Rest leidet fortan unter Schmerzen“. Auch durch seine Menschenrechtsorganisation TARGET hat er es geschafft, dass namhafte muslimische Authoritäten seine Unvereinbarkeitsthese bereits entschlossen mittragen:

„Weibliche Genitalverstümmelung ist mit dem Koran und der Ethik des Islam unvereinbar. Sie ist Gottesanmaßung und eine Diskriminierung des Islam.“

Es bedarf jedoch immer noch viel Aufklärungsarbeit, die er zusammen mit seiner Frau, auch mit seinen mittlerweile 80 Jahren voller Leidenschaft, bemerkenswertem Elan und beeindruckender Motivation leistet. Wir drücken Rüdiger Nehberg ganz fest die Daumen, dass er es schafft, seinen Haupttraum, ein Transparent mit seiner Unvereinbarkeitsthese an der Kebba in der Hauptpilgerstadt in Mekka aufzuhängen, zu verwirklichen.

Für uns Wirtschaftsjunioren ist Rüdiger Nehberg ein wahrer Held und ein echtes Vorbild.

Rüdiger Nehberg wurde u. A. 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für bedrohte Völker und für die Völkerverständigung, insbesondere für die Verständigung mit dem Islam ausgezeichnet. 2008 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein Engagement gegen die Verstümmelung der weiblichen Genitalien verliehen.